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Fußballer leben eigentlich vom Fußballspielen. Aber auf Twitter, Instagram und Facebook können sie nicht nur mit Marketing Geld verdienen – sondern sich auch für die Clubs interessanter machen.

Mit 30 Millionen Fans ist Mesut Özil der Facebook – König unter den deutschen Fußballern. Mit 50 Millionen Euro ist er auch der König der Ablösesummen. Gibt es da einen Zusammenhang neben der sportlichen Leistung? „Özil hat seinen Marktwert unter anderem dadurch gesteigert, dass er Millionen Facebook-Fans hat. Das ist heutzutage eine wichtige Währung“, sagt André Bühler, Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing.

Längst sind die Social-Media-Auftritte von Topsportlern kein reiner Einblick mehr ins Privatleben von Menschen, die früher unnahbar schienen. Sie sind streng durchkalkuliert – und wichtig für Konto und Karriere. „Die ganz großen Vereine schauen auf der Suche nach Spielern auch nach dem Marketingpotenzial“, sagt Bühler. Vereinfacht gesagt: Vereine verkaufen mehr Trikots und Tickets, wenn sie prominente Spieler verpflichten. Die sportliche Leistung bleibt natürlich der wichtigste Faktor.

Der ganze Artikel bei der Mittelbayerischen Zeitung…

Oft sind die Vereine das Herz eines Orts. Wie also soll Integration ohne sie funktionieren? Ein Fußballverein in Nürtingen rekrutiert neue Spieler aus der Flüchtlingsunterkunft – und gibt ihnen so einen Platz in der Gemeinschaft.

Anerkennendes Raunen, Händeklatschen, Schläge auf die Schulter: Mohamad Saleh hat mit einem wunderbaren Seitfallzieher das Tor getroffen. „Sehr nett, alle Leute sind sehr nett“, sagt der 28-Jährige. Das Trainingsspiel im grellen Schein des Flutlichts geht weiter. Vor einem Jahr war Saleh aus Syrien nach Deutschland geflohen. Seitdem spielt er beim TB Neckarhausen Fußball, zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen aus dem Ort. Das schafft die Neuankömmlinge aus der Isolation heraus – und gibt ihnen ein Gesicht im Ort.

Der ganze Artikel bei der Südwest Presse…

Für eine Berufsgruppe ist die Rente mit 67 gar kein Thema: Profi-Fußballer. Es gibt aber auch Spieler, die machen einfach immer weiter (auch wenn sie nie in der Bundesliga gespielt haben). Die Alten Herren von Mainz 05 hält es teils seit über 60 Jahren auf dem Fußballplatz.
Dieser Beitrag war der Teil einer Sendung des Journalistischen Seminars der Uni Mainz zum Oberthema Demografischer Wandel – die ganze Sendung ist hier.

„Ich bin ja nicht für Atomenergie, aber diese Windräder gehören nicht in meinen Garten.“

„Wegen mir können die ja glauben, was sie wollen, aber diese Türme in der Stadt, neben der Kirche?“

Diese Argumente täuschen Toleranz nur vor. Tolerieren bedeutet nicht ignorieren, bedeutet nicht erzwungene Verdrängung. Dass manche Journalisten solche Schutzargumente aber noch vor sich hertragen, hat sich in den letzten Tagen an der Debatte um die sexuelle Orientierung eines ehemaligen Fußball-Nationalspielers gezeigt.

In einem Interview mit der Zeit hat Thomas Hitzlsperger über seine Homosexualität gesprochen. Damit war er der erste A-Listen-Spieler, der das getan hat. Die Reaktionen: Überwiegend positiv. Negative Reaktionen zu seiner öffentlichen Aussage fehlten – zumindest explizite.

Denn das Editorial des Fußball-Leitmediums Kicker war diese:

„Wichtig? Ist etwas passiert?“

Die Antwort: Ja, es ist etwas passiert. Der Profifußball war eine der letzten Bastionen der absoluten Heterosexualität, gleichauf wohl nur mit der katholischen Kirche. Dass die Vorstellung Quatsch war, wusste jeder selbst. Dass sich aber jemand in die Öffentlichkeit wagt, ist neu – und deshalb ist es wert, darüber zu berichten. Erst recht, wenn Fußball das wichtigste Thema eines Mediums ist. Denn worum es geht, ist nicht die sexuelle Orientierung eines einzelnen Spielers, sondern die symbolische Bedeutung ihrer Veröffentlichung. Hitzlsperger drängt auch seine Sexualität niemandem mehr auf als eine Schauspielerin, die im Interview von ihrem Freund spricht.

In einem Video erklärte Hitzlsperger seinen Schritt genauer. „Im Fußball gibt es keine bekannten Homosexuellen. Daher ist es schwer zu sagen, ob es wirklich schwulenfeindlich ist. Man muss warten auf die ersten, den ersten Fußballer, der sich bekennt zu seiner Homosexualität.“

So lange niemand im Fußball offen schwul war, haben schwulenfeindliche Sprüche zumindest niemanden im Umfeld direkt beleidigt. Aber wie in der Gesellschaft hat es die Homosexuellen auch in den Vereinen gegeben. Hitzlsperger sagte, bei „guten Witzen“ habe er auch mitgelacht und sich nicht beleidigt gefühlt. Ist aber jeder auf Dauer so stark?

Die „Rocky Horror Hitzlsperger Show“ hat Jasper von Altenbockum das Coming-Out in der FAZ genannt. Altenbockum interpretiert die komplette Diskussion um: Weil es Homosexuellen in Deutschland besser als anderswo gehe und die meisten Menschen normal mit ihnen umgingen, sei der implizite Vorwurf der Homophobie an die Deutschen – Diskriminierung. Ergo: „Es sollte nicht so weit kommen, dass Mut dazu gehört zu sagen: ‚Ich bin heterosexuell, und das ist auch gut so.'“

Hitzlsperger hat aber niemandem Homophobie vorgeworfen. Dafür, dass Altenbock das Coming-Out als „harmlos“ erachtet, rutscht er erstaunlich schnell in dystopische Fantasien von schwulen Diktaturen und Unterjochung von Vater-Mutter-Kind ab. Denn die Grundannahme des Arguments ist schon falsch: Homosexuelle sind in Deutschland weder gleichberechtigt noch allgemein anerkannt. Altenbock will nicht zur Toleranz gezwungen werden, aber die Gleichbehandlung von gesellschaftlichen Gruppen ist ein größeres Gut als sein abschätziges Unwohlsein. „Die kleindeutsche Paranoia des Reaktionärs“ nennt das Georg Diez bei Spiegel Online.

Analog dazu schreibt Johannes Kram bei Vocer: „Wieso haben eigentlich Schwule so viele Jahre dafür gekämpft, anders sein zu dürfen, wenn sie jetzt ihr Anderssein so in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zerren?“ Damit bringt er eloquent sein eigenes Missverstehen zum Ausdruck. Normal ist Schwulsein mittlerweile in manchen, vielleicht vielen Gesellschaftsgruppen, aber eben nicht im Fußball. Und ob das ganze nur ein Marketing-Schachzug war, kann niemand außer Hitzlsperger selbst bewerten.

Dabei ist dessen Aussage so klar wie einfach: „Ich möchte gern eine öffentliche Diskussion voranbringen – die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern.“

Das zumindest hat er geschafft.