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Deutschland

Oft sind die Vereine das Herz eines Orts. Wie also soll Integration ohne sie funktionieren? Ein Fußballverein in Nürtingen rekrutiert neue Spieler aus der Flüchtlingsunterkunft – und gibt ihnen so einen Platz in der Gemeinschaft.

Anerkennendes Raunen, Händeklatschen, Schläge auf die Schulter: Mohamad Saleh hat mit einem wunderbaren Seitfallzieher das Tor getroffen. „Sehr nett, alle Leute sind sehr nett“, sagt der 28-Jährige. Das Trainingsspiel im grellen Schein des Flutlichts geht weiter. Vor einem Jahr war Saleh aus Syrien nach Deutschland geflohen. Seitdem spielt er beim TB Neckarhausen Fußball, zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen aus dem Ort. Das schafft die Neuankömmlinge aus der Isolation heraus – und gibt ihnen ein Gesicht im Ort.

Der ganze Artikel bei der Südwest Presse…

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Der Syrer Khaled Shamsi ist Chirurg und Flüchtling – in der damaligen Notunterkunft der Stuttgarter Messe behandelte er andere Flüchtlinge. Sein Vorteil: Ein halbes Dutzend Sprachen, mit denen er zurechtkommt. Im Herbst hatte ich ihn bei der Arbeit begleitet.

Scheu schaut der kleine kranke Junge aus den Armen seines Vaters hervor. In der Nacht und am Morgen sei seine Stirn heiß gewesen, berichtet der Syrer. Der Arzt hört mit ernster Miene zu und nickt. Sie stehen in einem hohen, weißen Zelt. Plastikplanen hängen von der Decke und trennen drei Behandlungsliegen voneinander ab. Die Männer unterhalten sich auf Arabisch. Doch das Zelt steht in Deutschland – in der Halle 9 der Stuttgarter Messe, einer Notunterkunft für rund 1000 Flüchtlinge. Khaled Shamsi ist Arzt, der selbst vor der Gewalt nach Deutschland geflohen war. Vor zwei Jahren kam der syrische Kurde. Jetzt behandelt er ehrenamtlich andere Flüchtlinge.

Der ganze Artikel bei der Südwest Presse… 

Während meiner Vertretung im Ulmer Büro habe ich eine Familie in Biberach besucht, die einen jungen Flüchtling aus Afghanistan bei sich aufgenommen hat. Das soll die überforderten Kommunen entlasten, doch eine Patentlösung ist es nicht.

„Lernen, lernen, lernen“, will Farschid in Deutschland. Er ist einer von inzwischen gut 60.000 unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen in der Bundesrepublik. Eine Schule hatte er kaum besucht, seine Eltern sind nach seinen Angaben tot. Doch nun geht er zum Unterricht – und auch eine neue Familie hat er gefunden. Mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge bemühen sich die Kommunen verstärkt um Pflegefamilien für die Minderjährigen. Das kann Halt geben, fordert aber alle Seiten.

Der ganze Artikel bei t-online.de… 

Bibliotheken brauchen neue Medien, darunter E-Books, um kein „Museum der Bücher“ zu werden – das ist der Aufruf von Eblida, dem European Buereau of Library, Information and Documentation Associations. Dass diese Kampagne nötig ist, zeigt, wie sehr selbst Medienbranchen noch in einer analogen Welt leben.

The right to E-ReadIn seiner Kampagne „The Right to E-Read“ beklagt der Verband, dass es unklare Rechtsvorschriften unmöglich machten, digitale Sammlungen aufzubauen. Rund die Hälfte der E-Book-Bestseller seien für Bibliotheken nicht verfügbar – weil die Verlage keine Lizenzen erteilten und die Büchereien, anders als bei physischen Medien, derzeit kein generelles Recht auf Kauf und Ausleihe hätten. Oft seien digitale Ausgaben darüber hinaus auch teurer als analoge. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels befürchtet dagegen, dass die E-Book-Ausleihe das Geschäftsmodell digitaler Bücher an sich torpedieren würde; der Verband deutscher Schriftsteller deutet eine „Gratismentalität“ an, die die Qualität der Inhalte gefährde. Aber in Zeiten der Flatrates auf allen Gebieten, seien es Internet, mobile Daten, Musik oder Filme, wirkt die Klage einer hinterhereilenden Branche absurd.

Neues Feuer erhält die Debatte mit Amazons neuem Dienst „Kindle Unlimited„, mit dem User seit Juli für knapp zehn Dollar im Monat eine Art Bücher-Flatrate erhalten – das bedeutet den Zugriff auf rund 600.000 E-Books, bisher nur in den USA. Darunter sind zwar auch Bestseller wie die Titel der Harry-Potter- oder der Herr-der-Ringe-Reihen, die großen Verlage Hachette, HarperCollins, Macmillan, Penguin Random House und Simon & Schuster halten sich aber wohl aus dem Angebot heraus. „ComputerBild“ spekuliert aber, dass das Angebot diesen Herbst auch in Deutschland starten könnte.

Hier würde Amazon aber auf einige Konkurrenten treffen, die sich bereits etabliert haben (hier zusammengestellt von Netzwertig.com). Besonders Skoobe, ein Joint Venture der Verlage Holtzbrinck und Bertelsmann, wird als Gefahr für den Platzhirsch genannt. Ab rund zehn Euro haben Nutzer hier Zugriff auf 50.000 Bücher. Lesen.net sieht in Skoobe das derzeit beste Angebot seiner Art in Deutschland – verweist aber auch auf deutsche Bibliotheken und ihre Lizenzprobleme. Wenn es nach ihnen ginge, könnten sie ein viel größeres, viel günstigeres Angebot machen.

In der Bibliothek meiner Heimatstadt Neuwied kostet die Mitgliedschaft 15 Euro – im  Jahr. Die zentrale „Onleihe“-Stelle für Bibliotheken in Rheinland-Pfalz umfasst knapp 5000 Bücher in Belletristik, 3000 in Sachbüchern – kaum eins aktuell verfügbar, weil ausgeliehen. Im digitalen Zeitalter, im Zeitalter der riesigen Speicherkapazitäten, dürfen Bibliotheken trotzdem nicht so viele E-Books ausleihen, wie sie möchten. Aus Sicht der Verlage ergibt das Sinn, aber die Autoren haben bisher ohnehin nichts vom digitalen Verleih, da sie nach Aussage des Bibliothekenverbandes keine Entlohnung dafür erhalten – was er explizit bemängelt. In den USA gibt es schon Vereinigungen von Autoren, die sich für E-Books in Bibliotheken aussprechen.

Es drängt sich keine offensichtliche Patentlösung auf, mit der Autoren, Verlage, Konsumenten und Bibliotheken auf einen Schlag zufrieden wären (auch wenn man gegen die Notwendigkeit von Gatekeepern wie Verlagen oder Plattenlabels heutzutage generell argumentieren kann). Andere Branchen, wie etwa die Musikindustrie, geben ihre Rückzugsgefechte langsam auf. Bei den Verlagen scheint man sich gerade erst dafür zu rüsten. Aber nicht nur wegen der anachronistischen Idee der digitalen Stückzahlen, auch wegen der prinzipiellen Einschränkungen der Ausleihe widerspricht die derzeitige Situation der Idee der grenzenlosen Information, für die das Internet stehen soll – und für die Bibliotheken schon lange gekämpft haben. Wunderbare Angebote wie OpenLibrary und Project Gutenberg versuchen das auch online.

Was sind die „Umstände des Einzelfalls“? Wie viel Zeit muss verstrichen sein? Welche Verarbeitungszwecke sind legitim? Was genau bedeutet veraltet? Wie kann jemand über öffentliches Interesse entscheiden? Google bleibt viel Spielraum beim Bearbeiten von Löschanträgen.

Suchmaschinen müssen bestimmte Ergebnisse auf Antrag löschen, hat der Europäische Gerichtshof im Mai entschieden. Der einzelne User habe ein „Recht auf Vergessen“, heißt es. 40.000 EU-Bürger haben bereits von dem Formular Gebrauch gemacht, das Google dafür zur Verfügung gestellt hat. Doch kann Augenwischerei eine endgültige Lösung für den Datenschutz sein?

Denn beim Antrag auf Löschung gibt es bereits das erste Problem: „Bei der Umsetzung dieser Entscheidung werden wir jeden Antrag einzeln prüfen und zwischen den Datenschutzrechten des Einzelnen und dem Recht der Öffentlichkeit auf Auskunft und Informationsweitergabe abwägen“, schreibt Google. Es liegt also letztlich wieder an (geheimen?) Gremien, die entscheiden – zusätzlich wird der Firma eine immense Zusatzarbeit aufgebürdet. Für den Betroffenen selbst ist das Vorgehen aber auch nicht zufriedenstellend: Sollte Google einen Antrag abweisen, können sich die Betroffenen an die Landesdatenschützer wenden – direkten Einfluss haben die aber auch nicht.

Jeff Jarvis schreibt, die Gerichtsentscheidung führe das eigentliche Wesen des Internets ad absurdum: Google werde für die bloße Verlinkung verantwortlich gemacht, den Verweis auf die Information eines anderen. Als Monopolist hat Google eine gewisse Verantwortung dem einzelnen Nutzer gegenüber, aber die die peinliche oder rufschädigende Information stammt von einem anderen – und auch gegenüber dem hat eine Person Ansprüche und Rechte. Google als Startplattform für Informationssuche in die Schuld zu nehmen, gleicht Symptombekämpfung. Nicht alles, was Google nicht sofort anzeigt, ist Deep Web. Dennoch sieht der Gerichtshof Suchmaschinen als „Datenverarbeiter“ an, nicht als bloße Linksammlungen.

Dazu kommt: Google fordert einen Ausweis oder ein anderes Dokument zur Identifikation des Antragsstellers – durchaus verständlich, bietet der Löschantrag anders doch auch viele Möglichkeiten zum Missbrauch. Wer aber generell um seine Daten besorgt ist und Google misstraut, will bestimmt nicht seinen Personalausweis scannen und hochladen.

Dabei geht es hier auch um eine Fragmentierung des Internets. Denn der Europäische Gerichtshof gilt nur in der Europäischen Union. Internationale Google-Versionen aus anderen Ländern zeigen die in der EU gelöschten Informationen immer noch an. Und auch hier hat der User Zugriff auf die Sites in anderen Sprachen. Schutz vor irreführenden oder böswilligen Informationen gibt es also nur dann, wenn es jemand bei einer oberflächlichen Suche belässt. Weil Google die Ergebnisse auch nur dann löscht, wenn jemand nach dem Namen des Betroffenen sucht, können die beanstandeten Seiten auch immer noch bei einer zufälligen Suche nach etwas anderem auftauchen.

Letztlich muss sich Google selbst beschneiden. Die Suchmaschine wird nicht mehr ihrem Anspruch gerecht, jedem Nutzer das passende Ergebnis zu liefern, wenn einige Ergebnisse ausgeblendet werden müssen. Insofern ist die Entscheidung auch schlecht für das Geschäftsmodell des Unternehmens. Denn auch im echten Leben gibt es kein echtes Recht auf Vergessen: Wer einmal zum Dorfgespött wurde, über den reden die Nachbarn auch noch nach Jahrzehnten am Kaffeetisch.

Klar ist: Die Umsetzung der Gerichtsentscheidung, inklusive ihrer Tücken und Probleme, liegt bei Google; der Gerichtshof hat nicht genau das Formular vorgeschrieben, das Google implementiert hat. Mitbewerber wie Bing oder Yahoo haben noch gar nicht reagiert. Google aber will auf seine Art und Weise gegen die Entscheidung vorgehen: Schon bei Links, die wegen Urheberrechtsbeschwerden gelöscht wurden, zeigt Google einen Hinweis darauf an; das soll auch bei den Löschungen aus Datenschutzgründen so sein. Darüber hinaus soll es in halbjährlichen Transparenzberichten Daten zu den Anträgen geben. Zufrieden kann mit dieser Gerichtsentscheidung also niemand sein.

 

 

Fernsehen in den Vereinigen Staaten war immer kommerziell – und wird es wohl auch bleiben. Die einzigen Ausnahmen: die wenigen und im Vergleich schlecht finanzierten öffentlichen Rundfunksender, sagt Thomas Hrach, Professor am Department of Journalism der University of Memphis, Tennessee. „Profitorientierte Sender dominieren die Wellen, und das war schon immer so“. Im Kolloquium des Oberkurses am Journalistischen Seminar Mainz sprach Hrach über das Verhältnis von privaten und öffentlichen Sendern im Vergleich zum deutschen dualen System.

Seit Beginn der Radio-Ära sorgte die amerikanische Aufsichtsbehörde, die spätere Federal Communications Commission (FCC), vor allem für eins: Dass jeder Sender sein Programm ausstrahlen kann, ohne dabei behindert zu werden. Schon in den 1930er-Jahren dominierten die kommerziellen Interessen. Die Radios waren billig, denn das Geld steckte in der Werbung. Das war erst recht der Fall, als nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch jeder Haushalt einen Fernseher besaß. Die drei großen Sender NBC, ABC und CBS machten Programm als Plattform für die Werbung – und waren damit höchst erfolgreich. „Wer eine Sendelizenz hatte, hatte fast schon die Erlaubnis, Geld zu drucken“, sagt Hrach. Die Sender zeigten, was die Zuschauer wollten: Leichte Unterhaltung, Western, Sport. Zu dieser Zeit lag privater Rundfunk in Deutschland noch 25 Jahre in der Zukunft.

Der Ruf nach einem besseren Fernsehen wurde aber bald laut. Eine „leere Ödnis“ nannte 1961 Newton Minow, Vorsitzender der FCC, das Fernsehprogramm. Der hochgeschätzte TV-Journalist Edward R. Murrow bemängelte dazu die Oberflächlichkeit und das verschwendete Potenzial seines Mediums. Die Lösung: Die Corporation for Public Broadcasting (CPB), die mit Geldern aus dem US-Haushalt seit 1967 öffentliche Sender unterstützen soll. Diese Sender sollen auf hohem Niveau bilden und informieren, ohne auf Werbung angewiesen zu sein. 2012 hatte sie dazu rund 326 Millionen Euro zur Verfügung – im Vergleich zu den rund neun Milliarden Euro, mit denen die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland ausgestattet sind. Damit trägt die CPB zur Finanzierung von 365 TV- und über 1000 Radiosendern bei. Allerdings reicht das nicht. Spenden von Zuschauern, Unternehmen und Non-Profits machen den Rest aus. Auch wenn Werbung verboten ist, sei es „normalerweise ziemlich klar ersichtlich, von wem Spenden kommen“, sagt Hrach.

Die einzelnen Sender übernehmen einen Großteil ihres Programms aus den von ihnen gegründeten Dachorganisationen: Der Public Broadcasting Service (PBS) für TV und National Public Radio (PBS) für den Hörfunk. Diese Namen stünden für gutes, informatives und vertrauenswürdiges Programm mit öffentlichem Auftrag, erklärt Hrach. Auch in Deutschland bekannt ist etwa die PBS-Sendung „Sesamstraße“, ein Bildungsprogramm für Kinder. „Big Bird ist das Mainzelmännchen in den Vereinigten Staaten“, sagt Hrach. Angesichts der oft politisch eingefärbten Nachrichten der großen kommerziellen Sender zeige sich vor allem der Journalismus der öffentlichen neutral und von hoher Qualität.

Trotzdem ist deren Finanzierung umstritten. Im Wahlkampf fällt der Name PBS häufig, wenn es um Haushaltseinsparungen geht. Mitt Romney etwa, der republikanische Kandidat zur Präsidentschaftswahl 2012, sagte zwar, dass er Big Bird zwar liebe, aber dennoch sei der Sender eine finanzielle Belastung.

Doch bei der teils mangelhaften Berichterstattung der kommerziellen Sender, gerade was internationale Geschehnisse angeht, stößt das unter Journalisten auf wenig Gegenliebe, sagt Hrach. „Amerika hat keine zentrale Stimme, um der Welt über sich selbst zu berichten und seinen unterschiedlichen Bürgern über die Welt”, sagte etwa Emily Bell von der Columbia School of Journalism 2011. Lee Bolinger, der Präsident der Universität, schlägt dafür sogar einen zentralen Sender ähnlich der Deutschen Welle vor. Die große amerikanische Abneigung gegen Regierungseinfluss mache so etwas aber sehr unwahrscheinlich, sagt Hrach. So bleibe der öffentliche Rundfunk beliebt, aber nicht erfolgreich.

 

 

Wenn Reddit eine Seite „umarmt“, ist das vielleicht liebevoll gemeint, überfordert aber meistens deren Server.

Ein populärer Post auf dem Linkaggregator kann ungewohnt viel Traffic auf eine Seite bringen, wie etwa ABC (die australische Version) beschreibt:

When a link to an ABC News story becomes popular on Reddit – as it also did with this story about Bill Gates‘ quest to reinvent the toilet (view on Reddit) – this can have a big influence on our own most popular lists.

Even if the story is old news.

Ein Servercrash ist zwar im Prinzip unangenehm, aber gerade Medien werden sich über einen rapiden Anstieg an Klickzahlen freuen, bedeuten sie doch bares Geld. Und das ist nicht die einzige Art, wie Reddit Journalisten helfen kann.

Reddit, Platz 24 der beliebtesten Webseiten in den USA, funktioniert demokratisch: Angemeldete User reichen Links oder Text-Posts ein, andere können dem einen Up- oder Downvote verpassen. Die beliebtesten Links stehen am weitesten oben. Unzählige Foren, genannt Subreddits, widmen sich speziellen Themen – und das kann alles sein, von Star Trek über digitale Fotografie zu obskuren Videospielen der 80er-Jahre. Die Startseite stellt die stärksten Links aus einigen großen Subreddits zusammen. Dazu gehören etwa Nachrichten, Wissenschaft, Politik und natürlich Bilder von süßen Katzenbabys.

Was hat das mit Journalismus zu tun?

Traffic von Reddit

Für den Erfolg seiner Inhalte sei Reddit sehr wichtig, sagt etwa Jonathan Hunt, Global Marketing Director bei Vice. Zumindest in den USA scheinen die Verweise für die Online-Auftritte von Nachrichtenmedien immer wichtiger zu werden, schreibt Kelly McBride bei Poynter. Sie hat mit verantwortlichen Online-Redakteuren gesprochen, die von teils deutlichen Anstiegen der Besucherzahlen über Reddit-Links berichten. Es liegt also nahe, wenn auch Journalisten ihre eigenen Geschichten in den passenden Subreddits posten – aber Vorsicht: Dabei gibt es einige Fallstricke.

Jedes Subreddit hat seine eigene Kultur, und wer sich der nicht anpasst, wird ausgeschlossen. Stümperhafte Versuche, mit Links auf eigene Geschichten zu spammen, werden schnell auf Gegenwehr stoßen. Jedes einzelne Forum hat einen oder mehreren Moderatoren mit erweiterten Rechten, die einzelne User ausschließen können – und Links auf bestimmte Seiten verbieten können.

Das mussten auch große Verlagshäuser erfahren. Das News-Subreddit  ist das größte für Nachrichten, mit 2,7 Millionen Abonnenten eines der größten überhaupt und eines der standardmäßig auf der Startseite angezeigten. Kürzlich aber wurden Links auf The Atlantic in dem Forum gesperrt, wohl weil die Artikel nicht zum absoluten Anspruch des Forums auf Hard News passen. Das ist bitter: Schon 2011 schwärmte The Atlantic davon, wie viele Besucher Reddit auf die eigene Seite bringen kann. Weil aber Jared Keller, einer der Social-Media-Redakteure, allzu übereifrig tausende Links zu Artikeln des Verlags gepostet hatte, wurden Links auf diese Domains auch 2012 bereits für eine Zeitlang auf ganz Reddit gesperrt.

Die Regeln sind dabei nicht eindeutig: „It’s not strictly forbidden to submit a link to a site that you own or otherwise benefit from in some way, but you should sort of consider yourself on thin ice“, heißt es in den FAQ. „I tried to adhere to those standards, but as language like ‘thin ice’ suggests, there’s a lot of leeway in how one might interpret them“, sagte Keller dazu.

Die Lehre daraus? Wer von Reddit profitieren will, sollte sich an die Regeln halten. Hinter den positiven und negativen Bewertungen stehen echte Menschen, die sich nicht gerne ausnutzen lassen. Nur wer selbst Teil der Kultur wird, wird Erfolg mit eigenen Links haben. Victoria Taylor, Director of Communications bei Reddit, fasst die Best Practices für Journalisten auf ihrer Seite zusammen: Respektiere Nutzer, wenn du sie kontaktierst; nutze die Foren nicht aus; identifiziere dich als Journalist; informiere dich, bevor du loslegst. Letztlich sind das Regeln, die jeder Journalist auch im Alltagsgeschäft beachten sollte.

Forum für Journalisten

Natürlich hat Reddit auch ein eigenes Forum für Journalisten, die über Fragen oder Probleme ihres Berufs diskutieren können: r/Journalism. Mit nur rund 5300 Abonnenten ist es ein vergleichsweise kleines Forum, das seinen roten Faden noch nicht gefunden hat. Neben Links zu Artikeln über Medien und Journalismus sind es viele Berufseinsteiger und Interessierte, die nach Ratschlägen fragen; seltener diskutieren die Nutzer tatsächliche ethische Fragen im Subreddit selbst. Die beliebtesten Links in der Geschichte des Subreddits sind aber fast ausschließlich Links auf externe Seiten. Mit einer aktiveren Nutzerschaft gibt es aber Potenzial für umfassendere Diskussionen.

Redditors als Journalisten

In der Diskussion um Citizen Journalists, also ehrenamtliche Amateure, sollte Reddit nicht übergangen werden – auch wenn das bekannteste Beispiel für Reddit-Recherchen ein äußerst negatives ist. Nach den Anschlägen auf den Marathon in Bosten letztes Jahr gründete sich ein Subreddit, das bei der Suche nach den Tätern helfen sollte. Das führte dazu, dass einige unschuldige Menschen zu Unrecht verdächtigt wurden. Deren Bilder gelangten auch in klassische Medien.

Die breite Nutzerbasis von Reddit, die oft mit großer Hingabe bestimmte Foren besucht, bietet allerdings ein riesiges Potenzial. Gigaom vergleicht Berichte traditioneller Medien über eine Schießerei in Toronto mit der Zusammenfassung eines Nutzers, der unter anderem auf Tweets von Opfern, Zeugen und Tätern verweist und so eine einfacher verifizierbare, transparente Quellenlage zeigt. Als 2011 die Universität Virginia Tech in Blackburg komplett abgeriegelt wurde, nachdem zwei ein Unbekannter zwei Menschen erschossen hatte, berichtete ein Student auf Reddit live aus einem der Gebäude der Universität. Ebenso postete eine Nutzerin 2012, nachdem sie aus dem Kino in Aurora, Colorado gekommen war, in dem ein Mann zwölf Menschen erschossen hatte.

Das sind keine Beispiele für klassischen Journalismus. Allerdings bemühen sich einige Nutzer auch, Fakten zu checken – so etwa zur letzten amerikanischen Präsidentschaftsdebatte. Die Recherche beschränkt sich zwar auf Online-Quellen, ist aber letztlich eine Standardaufgabe für Journalisten. Im Subreddit r/PoliticalFactchecking posten Nutzer Behauptungen, die andere dann entweder widerlegen oder beweisen sollen.

Reddit-Nutzer versuchen sich aber nicht nur am Verifizieren, sondern auch am Zusammenstellen von Nachrichten. Mit einem neuen Feature etwa will Reddit seine unübersichtliche Benutzeroberfläche verbessern, um Liveblogging zu ermöglichen. Bisher ist das Erstellen solcher Update-Seiten den Administratoren vorbehalten, aber es gibt ein aktuelles Beispiel, das journalistische Qualitäten zeigt: Ein Info-Stream zum Konflikt in der Ukraine. Seit 72 Tagen können ausgewählte Nutzer darin posten: Tweets, Links, Videos. Ein anderes Beispiel ist das Subreddit r/SyrianCivilWar. Das fünfköpfige Moderatorenteam versucht hier, eine möglichst neutrale Faktenlage zum Bürgerkrieg in Syrien zu schaffen. Bilder und Videos vom Konflikt tauchen im Internet ohne Zeitverzögerung auf, anders als Kriegsberichte aus Zeiten vor dem Internet. Die Modderatoren versuchen, darüber einen Überblick zu verschaffen. „This sub hopes to foster an informed and civil discussion of the facts“, heißt es im Forum.
Auch wenn Fehler geschehen könnten, wenn es um Nachrichten und Informationen gehe, glaubt Erik Martin, General Manager von Reddit, dass die positiven Aspekte seiner Seite deutlich überwiegen. Professionelle Journalisten bräuchte es dennoch weiterhin. “But I also believe that having people participating in that news and in sharing information, I just don’t understand how that can be anything but positive.”

Reddit als Quelle

Vor zwei Jahren konnten Reddit-Nutzer etwas tun, das sonst nur höchstrangigen Journalisten vorbehalten war: Sie konnten Barack Obama Fragen stellen. Das Format „Ask Me Anything“ ist einer der Standards der Seite. Mehr oder minder interessante oder prominente Persönlichkeiten stellen sich den Fragen und Kommentaren der Community. Natürlich gelten im Vergleich zum Interview Einschränkungen: Der Interviewte kann sich aussuchen, worauf er antwortet; oft wird er viele Fragen gar nicht zu Gesicht bekommen, denn diejenigen mit den meisten Positivwertungen sind eher sichtbar als andere. Damit unterwirft sich auch das Interview der Reddit-Kultur.

Dennoch ist das ein Beispiel für das Quellenpotenzial auf Reddit, das über die freiwilligen Frage-Antwort-Runden hinausgeht. Denn in den unzähligen Subreddits zu hochspezialisierten Themen lässt sich schnell ein Interviewpartner oder eine Recherchequelle finden, wenn ein Journalist die Möglichkeiten nutzt. Doch dabei wieder wichtig: die Best Practices. Nutzer in Internetforen sind echte Menschen – wer Respekt vermissen lässt, wird keinen Ansprechpartner finden.

Fazit

Reddit hat sich als wichtiges soziales Medium etabliert. Für Journalisten bedeutet das eine Masse an Möglichkeiten, aber der Nutzen ist sicherlich auch Einschränkungen unterworfen.

  • Die offensichtliche: Reddit wird vor allem in den Vereinigten Staaten genutzt. Zwar gibt es auch einige deutsche Subreddits, deren Aktivität hält sich aber in Grenzen.
  • Zum Auffinden von Quellen ist Reddit gut geeignet, aber deren Online-Auftritt kann sich immer noch vom echten Menschen unterscheiden – soll heißen: Bevor man jemanden als Quelle oder als Experten zitiert, sollte man sicherstellen, dass er das auch ist und nicht nur online vorgibt.
  • Die große Macht der Moderatoren in den einzelnen Foren bedeutet, dass man sich deren, teils stark kritisierten, Regeln unterwerfen muss, wenn man Reddit nutzen will.
  • Ebenso kann die Gruppendynamik oder die Kultur eines Forums journalistische Arbeit erschweren.
  • Die eigenen journalistischen Gehversuche von Reddit-Nutzern sind zwar beeindruckend und können neue Wege der Berichterstattung aufweisen, sind aber noch mit vielen Fehlern behaftet – egal ob es um Recherche, Korrektheit oder Zusammenstellung geht.
  • Zur Selbstpromotion ist Reddit kaum geeignet. Den Nutzern stößt es sauer auf, wenn eigennütziger Link-Spam auffällt, und die unterschiedlichen Subreddits gehen unterschiedlich mit Quellen um. Letztlich gilt aber auch hier: Qualität setzt sich durch, und das zur Not auch ohne Hilfe von Reddit.